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Besuch der Gedenkstätte Ahlem

Am 01.10.2015 besuchte eine Gruppe des SoVD-Ortsverbandes Hannover-Mitte die Gedenkstätte Ahlem, die sich auf dem historischen Gelände der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule befindet.

Unter der kompetenten Führung von Thomas Lippert, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte, wurde die Einrichtung besichtigt und ausführlich erläutert. Hierbei ist zu erwähnen, dass in den einzelnen Ausstellungsteilen unter Einsatz moderner Medien, z. B. Tablet-PCs und Medientische, zum weiteren interaktive Forschen angeregt wird. Durch diese mediale Aufbereitung wird die Möglichkeit genutzt, auf dem relativ kleinen Ausstellungsbereich eine Menge Themen aufzubereiten und ständig zu ergänzen. Daneben sind Interviews mit Zeitzeugen wieder gegeben und Informationssäulen  geben Auskunft zu einzelnen Aspekten  der Ausstellung.

Zum Teil erschütternd sind exemplarisch dargestellte Lebensgeschichten, die in den Texten, Dokumenten und in den Medienstationen begleitend betrachtet werden können. Chronologisch beginnt die Ausstellung mit der durch den Bankier Moritz Simon initiierten und auch finanzierten Gründung 1893 zunächst unter dem Namen "Israelitische Erziehungsanstalt". Es ging ihm hier insbesondere um eine Berufsumschichtung der jüdischen Bevölkerung durch die Rückkehr zur Bodenkultur und zum Handwerk. Damit wollte er jüdischen Kindern eine berufliche Zukunft in Deutschland eröffnen und einen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus leisten.

Nach der Machtübernahme 1933 durch die Nationalsozialisten hat sich die Schule verstärkt an der Vorbereitung junger jüdischer Mitbürger für die Auswanderung, besonders nach Palästina, beteiligt. Im Juli 1942 wurde die Schule dann zusammen mit den noch verbliebenen jüdischen Schulen in Deutschland geschlossen.

Schon seit dem Herbst 1941 wurde das Schulgelände bereits von der Gestapo zu einer zentralen Sammelstätte für die Deportation der Juden aus dem hannoverschen Bereich genutzt und zählte zu den hannoverschen "Judenhäuser", in denen die verbliebene jüdische Bevölkerung zusammengetrieben wurde. Die meisten zwangsweise eingewiesenen Juden wurden bereits im Juli 1942 in Konzentrationslager deportiert.

Ab Oktober 1943 wurde das Direktorenhaus der Schule, in dem sich jetzt der Hauptteil der Ausstellung befindet, als Gestapo-Außenstelle genutzt. Das nach Beendigung des Schulbetriebs lehrstehende Haupthaus wurde als Gefängnis eingerichtet, in der auch politische Häftlinge, Sinti,  ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene inhaftiert wurden. In der Schlussphase des Krieges wurde in der ehemaligen Laubhütte der Gartenbauschule eine Hinrichtungsstätte eingerichtet. Häftlinge des Gefängnisses wurden zusammen mit anderen Häftlingen eines Arbeitserziehungslagers, die in Ahlem evakuiert waren, am 06.04.1945, kurz vor der Befreiung durch die amerikanischen Truppen auf dem Seelhorster Friedhof in Hannover durch die Gestapo erschossen.

Nach Beendigung des 2. Weltkriegs lebte die jüdische Tradition der Schule wieder auf. Überlebende aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen haben hier den Kibuz "Zur Befreiung" gegründet. Dies währte aber nur eine kurze Zeit, denn im Mai 1948 sind die letzten Mitglieder der Gruppe nach Palästina ausgewandert.

Zum Ende der Besichtigung wurde das Außengelände mit der „Wand der Namen“ mit 3000 Tafeln der Lebensdaten von deportierten und ermordeten Menschen sowie der Gedenkort der früheren Laubhütte besucht.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass dieser deutschlandweit einmalige Erinnerungsort einen wichtigen Beitrag gegen den wieder aufkommenden Antisemitismus, Faschismus und gegen Intoleranz leistet. Ein über zweistündiger Besuch kann allerdings keine umfassenden Kenntnisse über die Geschichte der jüdischen Bürger in Hannover und über das vor 70 Jahren in unserer nächsten Umgebung geschehene Unrecht vermitteln. Es steht aber jedem Bürger offen, sich in den in Ahlem vorhandenen Dokumentationen, die ständig ergänzt werden, weiter zu informieren.

Internetanschrift der Gedenkstätte: www.gedenkstaette-ahlem.de